{"id":481,"date":"2010-10-26T21:48:03","date_gmt":"2010-10-26T19:48:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joachim-kranz.net\/index.php\/mint-bildungspolitik"},"modified":"2010-10-28T14:55:11","modified_gmt":"2010-10-28T12:55:11","slug":"mint-bildungspolitik","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.joachim-kranz.net\/index.php\/mint-bildungspolitik","title":{"rendered":"MINT-Bildungspolitik"},"content":{"rendered":"<p><strong>An welchen Hebeln kann man ansetzen, um die naturwissenschaftliche Bildung in Deutschland zu vereinheitlichen und zu verbessern?<\/strong><\/p>\n<p>Ich nenne f&uuml;nf in meinen Augen wesentliche Ansatzpunkte f&uuml;r Verbesserungen:<\/p>\n<p><strong>1.&nbsp; Die Verantwortung f&uuml;r die Bildungspolitik muss zur&uuml;ck in die Hand der Bundesregierung!<\/strong><\/p>\n<p>Die Bundesl&auml;nder haben in den vergangenen 10 Jahren eindruckvoll bewiesen, wie man Bildungspolitik nicht betreiben sollte. Das Durcheinander der Schultypen, der m&ouml;glichen Bildungsg&auml;nge, der Pflichtstundenzahlen in den einzelnen F&auml;chern, sogar die Begrifflichkeiten in Bezug auf die zu erreichenden Abschl&uuml;sse f&uuml;hrt zu einer zerrissenen, uneinheitlichen Bildungslandschaft. Dieses Nebeneinander ist selbst f&uuml;r Experten nur schwer durchschaubar. In Bayern mit seinem hochgelobten System werden nur ca. 20% der Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler zum Abitur gef&uuml;hrt, in der Hauptstadt mit seinen vielf&auml;ltigen Problemen schaffen es immerhin rund 40%. In Bayern gibt es Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler, die erst in der 9. Jahrgangsstufe das Fach Chemie kennen lernen, in Berlin m&uuml;ssen viele 7. Kl&auml;ssler in den Sekundarsschulen mit drei Wochenstunden Naturwissenschaften auskommen. So kann es nicht verwundern, dass viele Bundesl&auml;nder der &Uuml;berpr&uuml;fung der Bildungsstandards in den naturwissenschaftlichen F&auml;chern (f&uuml;r den mittleren Bildungsabschluss, der wohlgemerkt ganz unterschiedlich hei&szlig;en kann!) mit gemischten Gef&uuml;hlen entgegensehen.<br \/> <strong>Fazit:<\/strong> Eine Vereinheitlichung der Bildungslandschaft kann nur durch eine &Uuml;bertragung der Verantwortung f&uuml;r die Bildungspolitik in die Hand der Bundesregierung erreicht werden.<\/p>\n<p><strong>2.<\/strong> <strong>Erh&ouml;hung der Pflichtstundenzahl der naturwissenschaftlichen F&auml;cher!<\/strong><\/p>\n<p>Die Forderung nach einer Erh&ouml;hung der Pflichtstundenzahl ist von vielen F&auml;chern zu vernehmen. Es kann hier auch nicht darum gehen, Musik, Kunst und andere F&auml;cher zu schw&auml;chen. Festzustellen bleibt: unsere moderne, hochtechnisierte Kultur kann nur verstanden und bewertet werden, wenn ein Grundstock an naturwissenschaftlicher Bildung bei den Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;lern vorhanden ist. Unsere Kinder sind die W&auml;hler von morgen &#8211; sie m&uuml;ssen den globalen Klimawandel, die M&ouml;glichkeiten der Energieversorgung und Mobilit&auml;t von morgen, die M&ouml;glichkeiten und Grenzen der Technik verstehen und beurteilen. Sie m&uuml;ssen ihre Nahrungsgrundlagen kennen und gesunde Ern&auml;hrung von fast food unterscheiden k&ouml;nnen. Nachhaltige Bildung setzt fundierte Kenntnisse in den Naturwissenschaften voraus.<br \/> <strong>Fazit:<\/strong> Keine Nachhaltigkeit ohne die Naturwissenschaften! Von der 7. Jahrgangsstufe an sollte die Pflichtstundenzahl bei zwei Wochenstunden pro Naturwissenschaft liegen.<\/p>\n<p><strong>3<\/strong><strong>. Qualit&auml;tsoffensive in den naturwissenschaftlichen F&auml;chern<\/strong><\/p>\n<p>Die Verbesserung der naturwissenschaftlichen Bildung h&auml;ngt von der Qualit&auml;t des Unterrichts ab.&nbsp; Seit der 2. H&auml;lfte der 90er Jahre kennen wir die Forschungsergebnisse bez&uuml;glich der Interessenlage der Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler in den naturwissenschaftlichen F&auml;chern (1). Die Kinder gehen in der Oberschule mit hohen Erwartungen in die &quot;neuen&quot; F&auml;cher Biologie, Chemie und Physik. Bereits nach einem Jahr ist bei vielen Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;lern die Euphorie verflogen. Die Naturwissenschaften werden zu ungeliebten F&auml;chern! Die Gr&uuml;nde liegen eindeutig in der Qualit&auml;t des Unterrichts. Ich kann ein Lied davon singen &#8211; meinen Kindern wurde der Spass an der Physik in der Oberschule regelrecht ausgetrieben.<\/p>\n<p>Verbesserungen k&ouml;nnen nur durch Qualit&auml;tsoffensiven, wie sie von den Kontext- und Sinusprogrammen vorbildlich betrieben wurden, und durch verpflichtende Fortbildungen erreicht werden. Die Unterrichtsentwicklung mit best-practice-Beispielen im Hinblick auf motivierenden, kompetenz-, kontextorientierten, wissenschaftsnahen und f&auml;cherverbindenden Unterricht unter Ber&uuml;cksichtigung sinnvoller Methoden kann&nbsp; nur im Team geleistet werden. Die Bundesl&auml;nder sollten in den Landesinstituten entsprechende Teams gr&uuml;nden, die dann die Lehrerteams in den Schulen anleiten k&ouml;nnten, derartige Entwicklungen innerschulisch anzugehen.<br \/> Hier kommt auch die Schulinspektion ins Spiel: in den Schulinspektionen geht es viel zu oft um Schulorganisation und Unterrichtsmethoden. Die Beurteilung des Unterrichts, sprich die Ber&uuml;cksichtigung aktueller Erkenntnisse der Fachdidaktik bleiben meist auf der Strecke!&nbsp;<br \/> Eine Anmerkung zur kindlichen Fr&uuml;hf&ouml;rderung sei mir gestattet: die fr&uuml;he Besch&auml;ftigung mit den Naturwissenschaften auf spielerischer Basis in Kinderg&auml;rten und Kinderunis ist durchaus w&uuml;nschenswert. Sie l&auml;uft aber ins Leere, wenn in der Grund- und Oberschule der Unterricht nicht weiterhin spannend und interessant aufgebaut ist.<strong><br \/> Fazit:<\/strong> Qualit&auml;tsoffensive durch Unterrichtsentwicklung und Verbreitung durch Fortbildung!<\/p>\n<p>4<strong>.<\/strong> <strong>F&ouml;rderung der Diagnosekompetenz der Lehrkr&auml;fte<\/strong><\/p>\n<p>Individualisierter Unterricht mit den vielf&auml;ltigen Spielarten der Binnendifferenzierung kann nur dann erfolgreich sein, wenn die Lehrkraft die Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler und die Wirksamkeit des eigenen Unterrichts einzusch&auml;tzen vermag. Hierzu bedarf es der profunden Kenntnis im Bereich der Diagnose, die, so kann ich es aus eigener Erfahrung bei der Akkreditierung von Studieng&auml;ngen sagen, an der Universit&auml;t nur unzureichend vermittelt wird.<br \/> <strong>Fazit:<\/strong> Es ist Aufgabe der 1. und 2. Phase der Lehrerausbildung und der Schule (und nat&uuml;rlich auch der Lehrkr&auml;fte), die Diagnosekompetenz zu gew&auml;hrleisten.<\/p>\n<p><strong>5. Verbessertes Qualit&auml;tsmanagement der Universit&auml;ten<\/strong><\/p>\n<p>Im Jahr 2000 gab es an einer Berliner Universit&auml;t im Fach Physik die fast unglaubliche Abbrecherquote von 90%. Heute ist man stolz, bei ca. 60 % angelangt zu sein. An vielen anderen deutschen Unis sind die Verh&auml;ltnisse &auml;hnlich. Gl&uuml;cklicherweise ist in diesen Bereich Bewegung gekommen. Die finanziellen Zuweisungen an die Fachbereiche sind zumindest in Teilen an die entsprechenden Quoten gekoppelt. Kann man derartige Quoten hinnehmen? Sind so viele junge Menschen unf&auml;hig oder unwillig? Wohl kaum! Hier gilt es von Seiten der Uni entsprechende Br&uuml;cken- und\/oder Unterst&uuml;tzungskurse anzubieten um auch eine universit&auml;te Binnendifferenzierung zu gew&auml;hrleisten. H&ouml;here Mathematik und theoretische Physik sind vom Schulstoff weit entfernt, hier sind die Unis gefordert, Unterst&uuml;tzungsma&szlig;nahmen bereit zu stellen. Die Klage der Wirtschaft, wir h&auml;tten nicht genug Ingenieure und Naturwissenschaftler w&auml;re dann (fast) gegenstandslos!<strong><br \/> Fazit:<\/strong> Auch die Universit&auml;ten m&uuml;ssen im Rahmen von Qualit&auml;tsma&szlig;nahmen die Unterst&uuml;tzung der Studentinnen und Studenten verbessern, um die Abbrecherquoten deutlich zu senken.<\/p>\n<p>(1) Hoffmann, L.; H&auml;u&szlig;ler, P.; Lehrke,M.: IPN-Interessenstudie Physik, 1998&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An welchen Hebeln kann man ansetzen, um die naturwissenschaftliche Bildung in Deutschland zu vereinheitlichen und zu verbessern? Ich nenne f&uuml;nf in meinen Augen wesentliche Ansatzpunkte f&uuml;r Verbesserungen: 1.&nbsp; Die Verantwortung f&uuml;r die Bildungspolitik muss zur&uuml;ck in die Hand der Bundesregierung! 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